14.04.2026 • Fachbeiträge

„Trendbarometer und Innovationsforum der globalen Branche“

Im Gespräch: Thomas Dohse, Director Interpack
bei der Messe Düsseldorf

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Thomas Dohse, Director Interpack

Thomas Dohse, Director Interpack bei der Messe Düsseldorf, ordnet im Gespräch die Bedeutung der Interpack für den globalen Maschinen- und Anlagenbau ein. Im Fokus stehen Verpackung, Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und die Frage, wie Technologieanbieter Industrie und Märkte in der Transformation unterstützen.

Welche Rolle spielt die Interpack heute für den globalen Anlagen- und Maschinenbau?

Thomas Dohse: Die Interpack ist der wichtigste internationale Treffpunkt für den Anlagen- und Maschinenbau in der Processing- und Packaging-Branche. Mit mehr als 2.800 Ausstellern aus 67 Ländern bildet sie die gesamte Wertschöpfungskette ab und ist gleichzeitig das Trendbarometer und Innovationsforum der globalen Branche in einer Phase tiefgreifender Transformation. Gerade in einem Markt, der von hohem Innovationsdruck, steigenden Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit geprägt ist, bietet die Interpack einen wichtigen Orientierungspunkt. Entscheider, Hersteller, Zulieferer und Anwender aus der ganzen Welt kommen in Düsseldorf zusammen, um technologische Entwicklungen live zu erleben, sich auszutauschen und konkrete Investitionsentscheidungen vorzubereiten.

Wie hat sich die Bedeutung der Messe für die deutsche Industrie in den vergangenen Jahren verändert?

Thomas Dohse: Für die deutsche Industrie hat die Bedeutung der Interpack in den vergangenen Jahren eher noch zugenommen. Gerade weil die Rahmenbedingungen anspruchsvoller geworden sind – mit Themen wie Energiepreisen, regulatorischem Druck, Fachkräftemangel und geopolitischen Unsicherheiten – wird eine Plattform wichtiger, auf der sich Unternehmen nicht nur präsentieren, sondern auch strategisch orientieren können. Für deutsche Hersteller ist die Interpack damit heute noch stärker ein Ort, an dem Markttrends sichtbar werden, internationale Kontakte gepflegt und Zukunftsthemen ganz konkret in Geschäftschancen übersetzt werden.

Welche neuen Besucher- oder Aussteller­segmente gewinnenzunehmend an Relevanz?

Thomas Dohse: Wir sehen sehr deutlich, dass sich das Spektrum verbreitert. Neben den klassischen Maschinenbauunternehmen, die ihre Lösungen kontinuierlich weiterentwickeln und um digitale Technologien erweitern, gewinnen vor allem Anbieter aus den Bereichen Software, KI, Sensorik, Robotik, industrielle Automation und datenbasierte Services an Relevanz. Gleichzeitig rücken innovative Materialhersteller, Anbieter nachhaltiger Packstoffe und Unternehmen aus dem Umfeld zirkulärer Lösungen stärker in den Vordergrund. Auf Besucherseite merken wir zudem, dass Themen wie Nachwuchsgewinnung, Qualifizierung und neue Kompetenzen immer wichtiger werden. Das heißt: Auch junge Talente und neue Zielgruppen innerhalb der Industrie spielen heute eine größere Rolle als noch vor einigen Jahren.

Welche technologischen Megatrends prägen aktuell die Verpackungs- und Prozessindustrie?

Thomas Dohse: Im Moment sehen wir vor allem drei große Entwicklungslinien – und die decken sich sehr klar mit den Interpack Hot Topics: 

  • Erstens Smart Manufacturing: vernetzte, datenbasierte und ressourceneffiziente Produktionssysteme, die zunehmend durch KI, digitale Zwillinge, Predictive Maintenance und Robotik ergänzt werden. Diese Technologien wirken heute bereits tief in die industrielle Praxis hinein.
  • Zweitens Innovative Materials: ein starker Schub bei neuen Materialien und Verpackungskonzepten, etwa Monomaterialien, faserbasierte Lösungen, intelligente Beschichtungen und Design for Recycling. Hier geht es klar um Kreislauffähigkeit und Ressourceneffizienz.
  • Drittens Future Skills: Technologische Transformation bedeutet immer auch, dass sich Qualifikationen, Bedienkonzepte und Arbeitsprozesse verändern. Entsprechend gewinnen neue Kompetenzprofile und die Weiterqualifizierung von Fachkräften stark an Bedeutung.

Und wie reagieren der Verpackungs­maschinenbau respektive Ihre Aussteller darauf?

Thomas Dohse: Unsere Aussteller reagieren sehr konkret und sehr lösungsorientiert. Sie entwickeln Maschinen und Linien, die nicht nur leistungsfähiger, sondern auch flexibler, effizienter und intelligenter sind. Das reicht von automatisierten und robotergestützten Systemen über datenbasierte Analyse- und Wartungskonzepte bis hin zu Lösungen, die neue Materialien verarbeiten oder nachhaltigere Verpackungsdesigns unterstützen. Man merkt deutlich: Es geht nicht mehr nur darum, einzelne Maschinen zu zeigen, sondern ganzheitliche Antworten auf die Fragen der Kunden zu geben – also auf Themen wie Ressourceneffizienz, Prozesssicherheit, Rückverfolgbarkeit, Bedienbarkeit und Zukunftsfähigkeit.

Welche Rolle spielt die Interpack bei der Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft?

Thomas Dohse: Die Interpack spielt hier eine sehr wichtige Rolle, weil sie die relevanten Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenbringt. Kreislaufwirtschaft entsteht nicht allein über das Material und auch nicht allein über die Maschine. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Verpackungsdesign, Werkstoff, Verarbeitbarkeit, Kennzeichnung, Sortierfähigkeit und Recyclinginfrastruktur. Genau diese Zusammenhänge werden auf der Interpack sichtbar und diskutiert. Insofern ist die Messe ein Ort, an dem Kreislaufwirtschaft nicht abstrakt verhandelt, sondern in konkrete industrielle Lösungen übersetzt wird.

Welche Lösungen für recyclingfähige Verpackungen und Rezyklateinsatz sind besonders sichtbar?

Thomas Dohse: Besonders sichtbar sind derzeit Lösungen, bei denen die Recyclingfähigkeit von Anfang an mitgedacht wird. Dazu gehören Monomaterial-Konzepte aus PE, PET oder PP, faserbasierte Verpackungen mit funktionalen, recyclinggerechten Barrierelösungen und insgesamt viele Ansätze im Sinne von Design for Recycling. Auch die Themen Materialreduktion, sortiergerechte Gestaltung, verbesserte Kennzeichnung und der gezielte Einsatz von Rezyklaten sind sehr präsent. Der Fokus liegt dabei klar auf Lösungen, die nicht nur nachhaltig klingen, sondern im industriellen Alltag auch funktionieren.

Wie unterstützen Aussteller und ­Messeprogramm Unternehmen bei der Transformation hin zu PPWR-­konformen Verpackungen?

Thomas Dohse: Die Unterstützung erfolgt auf zwei Ebenen. Zum einen zeigen die Aussteller ganz praktisch, wie sich PPWR-relevante Anforderungen technisch umsetzen lassen – also etwa in den Bereichen Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz, Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit oder Materialeinsparung Das Messeprogramm ergänzt diese Perspektive gezielt. Ein Beispiel ist der Thementag im Spotlight Forum am 7. Mai: „PPWR: Chancen und Risiken“. Hier werden die praktischen Auswirkungen der Verordnung diskutiert – vom Rezyklat-Einsatz über Mehrwegquoten und Recyclingraten bis hin zu Hygieneanforderungen.

Wie stark prägt Digitalisierung die präsentierten Maschinenlösungen?

Thomas Dohse: Die Digitalisierung ist ein integraler Bestandteil geworden, kein Zusatz mehr. Es geht längst nicht mehr nur um einzelne digitale Features, sondern um durchgängige, vernetzte Produktionsansätze. Themen wie Echtzeit-Datennutzung, Condition Monitoring, Predictive Maintenance, digitale Zwillinge, softwaregestützte Optimierung und datenbasierte Services sind heute fester Bestandteil vieler Lösungen. Man kann sagen: Digitalisierung ist kein Zusatzthema mehr, sondern ein zentrales Fundament moderner Maschinen- und Anlagenkonzepte.

Welche Rolle spielen KI-Anwendungen, Automatisierungsplattformen oder intelligente Assistenzsysteme?

Thomas Dohse: Sie spielen eine Schlüsselrolle, weil sie genau dort ansetzen, wo die Industrie aktuell besonders großen Handlungsdruck spürt: bei Effizienz, Qualität, Flexibilität und Fachkräftemangel. KI-Anwendungen helfen zum Beispiel dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen, Prozesse zu optimieren, Ausschuss zu reduzieren oder Wartungsbedarfe vorauszusagen. Automatisierungsplattformen verknüpfen Maschinen, Sensorik, Software und Kommunikation zu durchgängigen Prozessen. Und intelligente Assistenzsysteme unterstützen Bediener im Alltag, verkürzen Einarbeitungszeiten und machen Erfahrungswissen breiter verfügbar. Gerade in Summe entfalten diese Technologien eine enorme Wirkung.

Welche aktuellen Herausforderungen sehen Sie als Veranstalter für den Anlagen- und Maschinenbau – etwa in Bezug auf Energiepreise, Fachkräftemangel oder Lieferketten?

Thomas Dohse: Die Herausforderungen sind im Moment wirklich vielschichtig. Dazu gehören hohe Energiepreise, schwankende Rohstoffkosten, Lieferkettenrisiken, geopolitische Unsicherheiten, verschärfte Regulierung und natürlich der Fachkräftemangel. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihre Produktion effizienter, nachhaltiger, flexibler und wirtschaftlicher gestalten. Genau diese Gleichzeitigkeit macht die Situation so anspruchsvoll. Aus unserer Sicht ist deshalb vor allem gefragt, wie sich Wettbewerbsfähigkeit unter diesen Bedingungen sichern lässt – und genau hier setzen viele der auf der Interpack gezeigten Lösungen an.

Wie reflektiert die Messe diese Themen in ihrem Rahmenprogramm?

Thomas Dohse: Das Rahmenprogramm greift diese Herausforderungen sehr gezielt auf. Besonders sichtbar wird das im Spotlight-Forum, das Themen wie PPWR, Ressourceneffizienz, smarte Verpackungen, intelligente Systeme, KI, Kreislaufwirtschaft, innovative Materialien und Nachwuchssicherung strukturiert über die Messetage hinweg behandelt. Dazu kommen weitere Formate wie Save Food, Women in Packaging oder die Components. Das Programm ist also bewusst so angelegt, dass es nicht nur Produkte zeigt, sondern auch die strategischen, regulatorischen und personellen Fragen der Branche adressiert.

Wie unterstützt die Messe junge Unternehmen, Start-ups oder Scale-ups?

Thomas Dohse: Junge Unternehmen bekommen auf der Interpack mit der Start-up-Zone eine gezielte Plattform und hohe Sichtbarkeit. 22 Start-ups aus acht Ländern nehmen hier teil. Im Vergleich zur Vorveranstaltung hat sich die Fläche mehr als verdoppelt. Die Newcomer präsentieren Ideen, Technologien und Geschäftsmodelle, die häufig genau an den Schnittstellen zwischen Maschinenbau, Software, Materialentwicklung und digitalen Services entstehen. Der direkte Austausch mit etablierten Industriepartnern, Kunden und potenziellen Kooperationspartnern schafft konkrete Anknüpfungspunkte – und ist oft ein wichtiger Impuls für Markteintritt und Wachstum der Start-ups.

Gibt es Formate, die speziell auf den Technologietransfer ausgerichtet sind?

Thomas Dohse: Ja, die gibt es. Vor allem das Spotlight-Forum ist hier wichtig, weil dort Industrie, Verbände, Politik, Institutionen, Start-ups und Experten zusammenkommen und Entwicklungen nicht nur vorstellen, sondern auch gemeinsam einordnen. Auch die Components trägt stark zum Technologietransfer bei, weil sie die technologische Basis moderner Maschinenlösungen – also Antriebe, Sensorik, Steuerung, Robotik und Software – sichtbar macht.

Wie entwickelt sich das Messekonzept  im Kontext von Nachhaltigkeit und Digitalisierung weiter?

Thomas Dohse: Das Messekonzept der Interpack entwickelt sich konsequent entlang der großen Transformationsthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung weiter. Beide Aspekte sind heute nicht mehr getrennt zu betrachten, sondern greifen ineinander. Zum einen wird Nachhaltigkeit stark inhaltlich verankert – etwa über Themen wie kreislauffähige Materialien, Ressourceneffizienz oder regulatorische Anforderungen. Diese werden nicht nur auf den Ständen sichtbar, sondern auch gezielt im Rahmenprogramm aufgegriffen und diskutiert.

Zum anderen spielt Digitalisierung eine immer größere Rolle für das Messeerlebnis selbst. Vernetzte Produktionssysteme, datenbasierte Services und digitale Tools sind zentrale Bestandteile der präsentierten Lösungen – und spiegeln sich auch in der Struktur der Inhalte und Formate wider. Gleichzeitig entwickelt sich die Interpack weiter in Richtung Plattform: Sie verbindet Ausstellung, Live-Demonstrationen und kuratierte Inhalte noch enger miteinander und schafft mehr Raum für Austausch, Orientierung und konkreten Technologietransfer.

Anbieter

Messe Düsseldorf GmbH

Stockumer Kirchstr. 61
40474 Düsseldorf
Deutschland

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