24.04.2026 • Fachbeiträge

„Viele Herausforderungen sind zu groß, um sie alleine zu bewältigen.“

Interview mit Daniel Seiler, neuer Vorstandsvorsitzender der VDMA-Fachabteilung Machine Vision

David Löh, Chefredakteur der inspect

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© AT Sensors

Seit Anfang Februar 2026 steht Daniel Seiler, CEO von AT Sensors, an der Spitze der VDMA-Fachabteilung Machine Vision. Im Interview spricht der neue Vorstandsvorsitzende darüber, wie er die strategische Ausrichtung des Verbands weiterentwickeln will. Er erklärt, warum die Branche trotz schwieriger Jahre optimistisch nach vorn blicken kann, wie Machine Vision als Frühindikator künftige Markt­bewegungen sichtbar macht und warum Kooperationen wichtiger werden.


inspect: Wie definieren Sie Ihre Hauptaufgabe als Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Machine Vision?

Daniel Seiler: Zur Einordnung: Der VDMA ist in über 30 Fachverbände gegliedert. Innerhalb des Fachverbands Robotik + Automation (kurz: R+A) ist Machine Vision eine von drei Fachabteilungen. Als Vorstandsvorsitzender setze ich gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen die strategische Ausrichtung der Fachabteilung. Wir überlegen, welche Themen unsere Mitgliedsunternehmen beschäftigen und wie wir mit den Mitteln des VDMA die europäische Bildverarbeitung stärken können.


inspect: Warum sind Sie im Vorstand aktiv?

Seiler: Ich bin seit vielen Jahren für VDMA-Mitglieds­unternehmen tätig, habe aber in den letzten Jahren erst entdeckt, welchen Mehrwert der Verband tatsächlich bietet. Er gibt gerade kleineren, mittelständischen Unternehmen eine Stimme und unterstützt sie mit einem umfassenden Dienstleistungsangebot. Für mich ist der VDMA die beste Möglichkeit, die Interessen unserer Unternehmen gegenüber Politik und Öffentlichkeit bewusst zu machen und Zukunftstechnologien wie Machine Vision zu stärken.

inspect: Was ist die Aufgabe des Vorstands allgemein?

Seiler: Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern gibt es in jeder Fachabteilung einen von Mitgliedern gewählten Vorstand für drei Jahre. Wir legen die inhaltlichen Schwerpunkte fest, planen Aktivitäten und Events. Um sicherzustellen, dass wir dabei die Stimme der Mitglieder vertreten, haben wir einen quartalsweisen Austausch mit den Leitungsebenen der Mitgliedsunternehmen eingeführt. Wir nennen das „Meet the Board“. Dort sprechen wir über unsere Arbeit, die Marktentwicklung und nehmen Feedback entgegen.

inspect: Welche Impulse wollen Sie in Ihrer Amtszeit geben?

Seiler: Derzeit beschäftigt uns vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und der zunehmende Wettbewerbsdruck, insbesondere aus China. Ein zentraler Impuls meiner Amtszeit ist die Stärkung der Kooperation unter europäischen Unternehmen. Gerade in der Bildverarbeitung gibt es viele kleine Firmen, für die es schwierig wird, alleine wettbewerbsfähig zu bleiben. Ich hoffe, dass wir über engere Zusammenarbeit gemeinsam stärker werden. Ich bin optimistisch, dass wir den Wandel gemeinsam meistern und eine erfolgreiche Zukunft für die Bildverarbeitung in Europa gestalten können.

inspect: Welchen Nutzen hat es für ein Unternehmen, Mitglied im Fachverband zu sein?

Seiler: Der VDMA bietet ein umfassendes Dienstleistungsangebot und besitzt mit über 700 Mitarbeitern viel Kompetenz und Schlagkraft. Beispiele sind Themen wie US‑Zölle, bei denen wir im vergangenen Jahr sehr von der Beratung profitiert haben. Auch bei vielen täglichen Fragen, etwa im rechtlichen Bereich, unterstützt der Verband, was für kleine Unternehmen, die beispielsweise keine eigene Rechtsabteilung haben, enorm wertvoll ist.

inspect: Wie bewerten Sie die Wachstumsperspektiven der Bildverarbeitungsbranche?

Seiler: Langfristig werden wir auf jeden Fall wieder Wachstum der Bildverarbeitung und auch der ganzen R+A-Branche sehen. Hinter uns liegen drei sehr schwierige Jahre, aber es mehren sich die Anzeichen, dass es nach dieser Krise wieder aufwärts geht. Im April wird der Vorstand die konkrete Wachstumsprognose für Machine Vision bekannt geben.

inspect: Was sind die Gründe dafür?

Seiler: Bildverarbeitung ist und bleibt ein Kernbaustein für Automatisierung, auch unter dem neuen Schlagwort „Physical AI“, und der Bedarf wächst global. Ich bin überzeugt, dass die industrielle Bildverarbeitung weiterhin ein Motor für Robotik- und Automatisierungsprojekte sein wird. Wenn wir traditionelles Maschinenbauwissen mit neuen Technologien aus KI und Digitalisierung verbinden, kann unsere Industrie relevant und erfolgreich bleiben.

inspect: Wie geht es AT Sensors? Wie ist die Prognose für das laufende Jahr?

Seiler: Auch wir haben in den letzten drei Jahren gekämpft. Das waren die bisher schwierigsten Zeiten für unser Unternehmen und auch für mich persönlich. Trotzdem glaube ich, dass wir gestärkt, fokussierter und schlagkräftiger aus der Krise herauskommen. Glücklicherweise zeigen unsere Auftragseingänge seit etwa einem halben Jahr wieder nach oben und wir rechnen für 2026 mit einem guten zweistelligen Wachstum.

inspect: Was können Unternehmen tun, um aus der derzeitigen Krise herauszukommen?

Seiler: Meines Erachtens kann das über Kooperationen gelingen. Viele Herausforderungen sind zu groß geworden, um sie alleine zu bewältigen. Gemeinsame Plattformen wie der VDMA bieten die Möglichkeit, Kräfte zu bündeln, sich auszutauschen und stärker zu werden.

inspect: Wie kann die Bildverarbeitung helfen?

Seiler: Die Bildverarbeitung war schon immer eine sehr technisch ausgerichtete und zukunftsorientierte Branche. Neue Technologien, wie beispielsweise KI und Deep Learning, wurden hier sehr früh eingesetzt und ich glaube, dass wir auch neue Trends frühzeitig spüren. Gleichzeitig ist das Geschäft recht agil im Vergleich zu beispielsweise großen mehrjährigen Anlagen- und Infrastrukturprojekten, wenngleich wir oft ein Teil solcher Projekte sind. Dadurch kann die Bildverarbeitung einen Frühindikator darstellen und zeigen, in welche Richtung sich Märkte entwickeln und wo sich neue Zukunftspotenziale auftun.

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