22.05.2026 • Fachbeiträge

„Kein Ort für oberflächliche Eindrücke“

Elena Schultz, Geschäftsführerin der AMA Service, skizziert in unserem Interview die Sensor+Test 2026 als klaren Navigationspunkt für die Branche

Anke Grytzka-Weinhold, Chefredakteurin messtec drives Automation

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Elena Schulz.
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Elena Schultz, Geschäftsführerin der AMA Service, positioniert die Sensor+Test 2026 als Fachmesse mit Tiefgang. Im Fokus stehen intelligente Sensorsysteme, datenbasierte Messtechnik, KI, Edge Computing, automatisierte Tests sowie digitale Kalibrierung.

In unserem Interview im vergangenen Jahr haben Sie die Sensor+Test als Ort des Dialogs und der Orientierung beschrieben. Wie haben sich diese Funktionen weiterentwickelt und welche Rolle spielt die Messe 2026 als Navigationspunkt für die Branche?

Elena Schultz: Die Rolle der Sensor+Test als Ort der Orientierung hat sich weiter geschärft – und ist heute wichtiger denn je. Wir bewegen uns in einem Umfeld, das gleichzeitig von hoher Innovationsdynamik und zunehmender Unsicherheit geprägt ist. Technologische Entwicklungen verlaufen schneller, komplexer und interdisziplinärer, während wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen anspruchsvoller werden.

Gerade in diesem Spannungsfeld gewinnen spezialisierte Fachmessen deutlich an Bedeutung. Unternehmen suchen keine breite Streuung, sondern gezielte Information, klare Einordnung und belastbare Entscheidungsgrundlagen. Die Messe bietet genau das: eine hochfokussierte Plattform mit klarer thematischer Ausrichtung und fachlicher Tiefe.


Wo sehen Sie den Mehrwert für den Besucher? 

Elena Schultz: Der besondere Mehrwert liegt in der Kompaktheit: gebündelte Expertise, relevante Technologien und konkrete Anwendungen – konzentriert auf drei Tage. Für viele Besucher ist genau diese Verdichtung entscheidend. Sie erhalten in kurzer Zeit einen strukturierten Überblick über den aktuellen Stand der Technik und können sich gezielt orientieren. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Orientierung ist auch das begleitende Kongressprogramm. 2026 finden parallel zur Sensor+Test zwei hochkarätige Fachkongresse statt: die 23. ITG/GMA Fachtagung „Sensoren und Messsysteme“ sowie die ETTC – European Test and Telemetry Conference. Beide Programme sind vollständig belegt und zeigen eindrucksvoll, wie aktiv und innovationsgetrieben Wissenschaft und Forschung in unserer Branche sind. Der Dialog ist dabei kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für fundierte Entscheidungen. Es geht nicht nur darum, Innovationen zu sehen, sondern sie technisch einzuordnen und bewerten zu können. In diesem Zusammenspiel aus Ausstellung und wissenschaftlichem Austausch ist die Sensor+Test 2026 ein klarer Navigationspunkt.


Welche technologischen Schwerpunkte setzen Sie 2026?

Elena Schultz: 2026 setzen wir konsequent auf Themen mit hoher technologischer Relevanz und unmittelbarem Anwendungsbezug. Im Mittelpunkt stehen intelligente Sensorsysteme, die nicht isoliert arbeiten, sondern integraler Bestandteil vernetzter, datengetriebener Architekturen sind. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf datenbasierter Messtechnik: hochauflösende Sensorik, Multisensorfusion und die Fähigkeit, große Datenmengen in Echtzeit zu erfassen, zu synchronisieren und auszuwerten. Ergänzt wird das durch Edge Computing, also die Vorverarbeitung von Daten direkt am Sensor oder im Feld – mit klaren Vorteilen hinsichtlich Latenz, Bandbreite und Datensouveränität. Zudem sehen wir eine starke Entwicklung in Richtung automatisierter und selbstüberwachender Prüfsysteme. Inline-Messtechnik, integrierte Qualitätssicherung und adaptive Testverfahren gewinnen insbesondere in der Serienfertigung an Bedeutung.

Branchenspezifisch sind vor allem Automotive und Aerospace wichtige Treiber: In der Automobilindustrie stehen Elektromobilität, Batteriemanagementsysteme, funktionale Sicherheit sowie automatisiertes Fahren im Fokus. Hier sind hochpräzise Sensoren für Strom, Spannung, Temperatur, Druck und Umfeldsensorik entscheidend, kombiniert mit komplexen Test- und Validierungsverfahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

In der Luft- und Raumfahrt dominieren Anforderungen an Zuverlässigkeit, Redundanz und Langzeitstabilität. Sensorik muss unter extremen Bedingungen präzise arbeiten – bei gleichzeitig minimalem Gewicht und maximaler Robustheit. Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Kalibrierung, insbesondere im Kontext digitaler Kalibrierketten, automatisierter Verfahren und rückverfolgbarer Messdaten. Unser Anspruch ist klar: Wir zeigen keine Einzeltechnologien, sondern durchgängige Lösungen. Sensorik, Mess- und Prüftechnik greifen ineinander und genau diese Systemperspektive bildet die Sensor+Test ab.

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Die Messe ist kein Ort für oberflächliche Eindrücke, sondern für fundierte Gespräche und konkrete ­ Lösungen. Wer diesen Anspruch mitbringt, wird einen sehr hohen Mehrwert mitnehmen.
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Welche Trends dominieren aus Ihrer Sicht das Messejahr – insbesondere im Hinblick auf Sensorik, Messtechnik und Testlösungen?

Elena Schultz: Ein dominierender Trend ist die zunehmende Systemintegration. Sensorik entwickelt sich weg vom Einzelbauteil hin zu intelligenten, vernetzten Modulen, die messen, auswerten und kommunizieren. Parallel dazu wächst die Bedeutung von Multisensor-Systemen und Sensorfusion. Unterschiedliche Messprinzipien werden kombiniert, um Genauigkeit, Robustheit und Aussagekraft zu erhöhen – etwa in der autonomen Mobilität, in der Robotik oder in komplexen Industrieanlagen. Ein weiterer zentraler Trend ist die Echtzeitfähigkeit. Daten müssen nicht nur erfasst, sondern unmittelbar verarbeitet und interpretiert werden. Das führt zu einer stärkeren Verlagerung von Rechenleistung in Richtung Edge.

Zudem sehen wir eine klare Entwicklung hin zu Miniaturisierung bei gleichzeitig steigender Leistungsfähigkeit – etwa bei MEMS-Sensoren, optischen Messverfahren oder integrierten Prüfsystemen. Nicht zuletzt gewinnt die Rückführbarkeit und Standardisierung von Messdaten an Bedeutung, insbesondere in regulierten Branchen. Digitale Kalibrierzertifikate und durchgängige Datenketten sind hier zentrale Elemente. Diese Entwicklungen zeigen deutlich: Sensorik und Messtechnik sind keine unterstützenden Technologien mehr, sie sind ein zentraler Bestandteil moderner, datengetriebener Wertschöpfungsketten.

Inwiefern verändern KI-basierte ­Verfahren, datengetriebene Analytik und Edge Computing die Anforderungen an Sensorik, Mess- und Prüf­technik und wie spiegelt sich das bei den ­Ausstellern wider?

Elena Schultz: Diese Technologien verändern die Anforderungen fundamental. Der Fokus verschiebt sich deutlich in Richtung Datenqualität, Konsistenz und Verfügbarkeit. Sensoren müssen heute nicht nur präzise messen, sondern Daten liefern, die für KI-gestützte Analysen geeignet sind: strukturiert, kalibriert, zeitlich synchronisiert und mit hoher Auflösung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Signalverarbeitung, Rauschunterdrückung und Langzeitstabilität.

KI-basierte Verfahren ermöglichen neue Ansätze in der Fehlererkennung, Musteranalyse und Zustandsbewertung. Voraussetzung dafür sind jedoch valide und belastbare Daten – und genau hier liegt die zentrale Rolle der Sensorik. Edge Computing verstärkt diesen Trend: Daten werden direkt am Entstehungsort verarbeitet. Das reduziert Latenzen, minimiert Datenvolumen und entlastet Kommunikationsinfrastrukturen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an integrierte Elektronik, Energieeffizienz und Robustheit der Systeme. Unsere Aussteller zeigen diese Entwicklungen sehr konkret: intelligente Sensorsysteme mit integrierter Vorverarbeitung, KI-basierte Prüftechnologien, adaptive Messverfahren und durchgängige Datenplattformen. Was früher getrennt war – Messen, Auswerten und Entscheiden – wächst zunehmend zusammen. Genau diese Konvergenz prägt die Sensor+Test 2026. 

2025 standen Condition Monitoring und Innovative Calibration stark im Fokus. Inwieweit haben sich die Themenschwerpunkte verschoben und welche neuen kommen hinzu?

Elena Schultz: Condition Monitoring und Innovative Calibration bleiben zentrale Themen, entwickeln sich jedoch deutlich weiter. Condition Monitoring ist heute kein isoliertes Anwendungsfeld mehr, sondern Teil umfassender Strategien rund um Predictive Maintenance und datengetriebene Betriebsoptimierung. Es umfasst ein breites Spektrum an Technologien, von Schwingungsanalyse, Akustik und thermischer Überwachung bis hin zu KI-gestützter Zustandsdiagnose.

Im Bereich Kalibrierung sehen wir eine klare Entwicklung hin zu vollständig digitalen Prozessen: automatisierte Kalibrierabläufe, digitale Zertifikate und durchgängige Rückverfolgbarkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Sensors. Ergänzend gewinnen Themen wie datenbasierte Qualitätssicherung, Edge-Analytik und die Integration in industrielle Plattformen zunehmend an Bedeutung.

Wie reagieren Ihre Aussteller auf die zunehmenden Herausforderungen durch Energieeffizienz, Kosten­steigerung und Nachhaltigkeits­anforderungen in der Sensorik?

Elena Schultz: Die Antworten der Aussteller sind stark technologiegetrieben und sehr konkret. Ein zentraler Ansatz ist die Reduktion des Energieverbrauchs durch effizientere Sensorsysteme, etwa durch Low-Power-Designs, optimierte Signalverarbeitung und den Einsatz von Energy Harvesting in autonomen oder schwer zugänglichen Anwendungen. Zudem sehen wir eine stärkere Integration von Sensorik zur Prozessoptimierung: präzisere und kontinuierlich verfügbare Messdaten ermöglichen eine exaktere Regelung von Anlagen, reduzieren Ausschuss und minimieren Ressourcenverbrauch. Auch die Lebensdauer von Komponenten rückt stärker in den Fokus. Robuste Sensoren, stabile Kalibrierkonzepte und geringe Drift sind entscheidend, um Wartungszyklen zu verlängern und Betriebskosten zu senken.

Ein weiterer Aspekt ist die datenbasierte Optimierung: Durch kontinuierliches Monitoring lassen sich Prozesse adaptiv steuern und frühzeitig an veränderte Bedingungen anpassen. Nachhaltigkeit zeigt sich hier nicht als Zusatz, sondern als Ergebnis technologischer Präzision und Effizienz. Sensorik schafft die notwendige Transparenz – und damit die Grundlage für fundierte, nachhaltige Entscheidungen.

Welche Bedeutung haben neue Formate wie Application Areas, Start-up-Flächen oder digitale Services für die Weiterentwicklung der Messe 2026?

Elena Schultz: Diese Formate sind ein wichtiger Baustein in der Weiterentwicklung der Sensor+Test. Die Application Areas – etwa im Umfeld des ETTC – schaffen einen direkten Bezug zwischen Technologie und Anwendung. Sie zeigen nicht nur, was technisch möglich ist, sondern wie Lösungen konkret eingesetzt werden und welchen Mehrwert sie generieren. Start-up-Flächen bringen zusätzliche Dynamik in die Messe. Sie stehen für neue technologische Ansätze, innovative Geschäftsmodelle und frische Impulse und ergänzen die etablierten Strukturen der Branche sinnvoll. Digitale Services unterstützen die gezielte Vorbereitung und effiziente Durchführung des Messe­besuchs. Sie helfen dabei, Kontakte strukturiert zu planen, Themen zu priorisieren und die verfügbare Zeit optimal zu nutzen. Ergänzt wird dieses Angebot durch die enge Verzahnung mit den beiden parallel stattfindenden Fachkongressen. Gerade die Kombination aus Ausstellung, Fachforum und wissenschaftlichen Konferenzen macht die Sensor+Test zu einem Format mit besonderer Tiefe – und schafft einen direkten Austausch zwischen Forschung, Entwicklung und industrieller Anwendung.

Entscheidend ist: Diese Formate erweitern die Messe, ohne ihren Kern zu verändern. Die Sensor+Test bleibt eine hochspezialisierte Fachmesse, ergänzt aber gezielt ihre Möglichkeiten, Wissen, Innovation und Austausch noch zugänglicher zu machen.

Welchen Tipp geben Sie den Besuchern der Messe mit auf den Weg?

Elena Schultz: Kommen Sie mit einem klaren Fokus – und nutzen Sie die Dichte der Messe. Die Sensor+Test bietet innerhalb von drei Tagen eine außergewöhnliche Konzentration an Fachwissen, Technologien und Ansprechpartnern. Wer sich vorbereitet, kann diese Zeit sehr effizient nutzen. Gleichzeitig lohnt es sich, gezielt auch angrenzende Themenbereiche einzubeziehen. Viele Innovationen entstehen an Schnittstellen zwischen Disziplinen. Die Messe ist kein Ort für oberflächliche Eindrücke, sondern für fundierte Gespräche und konkrete Lösungen. Wer diesen Anspruch mitbringt, wird einen sehr hohen Mehrwert mitnehmen.

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