07.07.2026 • Fachbeiträge

Fabrikautomation zwischen KI, Edge Computing, Effizienz und Cybersecurity

Wie gelingt Fabrikautomation in Zeiten steigender Energiekosten, wachsender Cyberbedrohungen und zunehmenden Fachkräftemangels? Antworten auf diese Frage suchten die Teilnehmer des Automatisierungstreffs in Heilbronn

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Sybille Strobl eröffnete die Veranstaltung.
© Strobl

Die vorgestellten Lösungen machten deutlich: Die Fabrik der Zukunft entsteht nicht durch eine einzelne Technologie, sondern durch das intelligente Zusammenspiel von Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Energieeffizienz und IT-Sicherheit.

Ein zentrales Thema war die zunehmende Bedeutung von Cybersecurity in der industriellen Automation. Bihl+Wiedemann zeigte, welche Folgen der Cyber Resilience Act (CRA) für Maschinenbauer und Betreiber haben wird. Spätestens Ende 2027 müssen Produkte mit digitalen Komponenten umfassende Sicherheitsanforderungen erfüllen. Neben technischen Maßnahmen wie Verschlüsselung, Benutzerverwaltung oder sicheren Updates rücken auch organisatorische Prozesse stärker in den Fokus. Vorgestellt wurde zudem die Methode des Threat Modelings, mit der Risiken systematisch identifiziert und bewertet werden können. Besonders hervor hob das Unternehmen die Rolle von AS-Interface als vergleichsweise robuste Kommunikationstechnologie. Durch ihre spezielle Übertragungstechnik und die klare Trennung zwischen Feld- und Ethernet-Ebene könne sie die Angriffsfläche moderner Maschinen reduzieren.

Dass Digitalisierung vor allem dann erfolgreich ist, wenn Daten unmittelbar nutzbar werden, zeigte die in.hub GmbH. Unter dem Motto „Raus aus dem Blindflug“ stellte das Unternehmen sein Edge-Ökosystem siineos vor. Der Ansatz: Daten sollen nicht erst in entfernte Cloud-Systeme wandern, sondern direkt an der Maschine erfasst, verarbeitet und visualisiert werden. Dadurch entstehen Anwendungen für Condition Monitoring, Energiemanagement, OEE-Analysen oder Predictive Maintenance, ohne dass große IT-Projekte erforderlich sind. Besonders attraktiv für viele Produktionsbetriebe: Die Lösungen lassen sich auch in bestehenden Maschinenparks nachrüsten und nutzen offene Schnittstellen für die Anbindung an ERP-, MES- oder Cloud-Systeme.

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Welche Rolle künstliche Intelligenz dabei künftig spielen wird, zeigte IBHsoftec mit seiner Lösung „S5/S7 AI für Windows“. Der integrierte KI-Copilot unterstützt Instandhalter und Servicetechniker bei der Analyse älterer Simatic-S5- und S7-Anlagen. Statt sich mühsam durch Programmstrukturen und Verriegelungen zu arbeiten, können Anwender Fragen in natürlicher Sprache stellen. Die Software analysiert Programmcode, Diagnosedaten und Anlagenzustände und liefert verständliche Erklärungen für mögliche Fehlerursachen. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels könnte die Technologie helfen, Expertenwissen schneller verfügbar zu machen und Stillstandszeiten zu reduzieren.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Energieeffizienz in der Produktion. Mitsubishi Electric machte deutlich, welches Einsparpotenzial insbesondere in der Antriebstechnik steckt. Elektromotoren verursachen einen erheblichen Teil des industriellen Stromverbrauchs. Mithilfe moderner Frequenzumrichter, intelligenter Lastmanagementsysteme und hocheffizienter Synchron-Reluktanzmotoren lassen sich Energieverbräuche deutlich senken. Anhand mehrerer Praxisbeispiele zeigte das Unternehmen, dass Einsparungen von bis zu 20 Prozent möglich sind. Gleichzeitig gewinnen Energie-Monitoring, Lastprofilanalysen und die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben wie des Energieeffizienzgesetzes zunehmend an Bedeutung.

Wie sich Automatisierung auch auf Sensor- und Komponentenebene weiterentwickelt, demonstrierte Baumer. Die neue Generation intelligenter 2D-Profilsensoren übernimmt Aufgaben, die bislang häufig nur mit komplexen Bildverarbeitungssystemen lösbar waren. Qualitätskontrollen, Vollständigkeitsprüfungen oder Positionieraufgaben können direkt im Sensor verarbeitet werden. Dadurch sinkt der Integrationsaufwand, während die Flexibilität in der Anlagenplanung steigt.

Neben Produktivität und Digitalisierung spielte auch Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Panduit stellte Initiativen vor, mit denen sowohl die eigene Fertigung als auch die Kundenanwendungen energieeffizienter gestaltet werden sollen. Von optimierten Rechenzentrumsinfrastrukturen bis hin zu klimaneutralen Produktionsstandorten zeigte sich, dass Nachhaltigkeit zunehmend Teil industrieller Automatisierungsstrategien wird.

Der Automatisierungstreff verdeutlichte damit einen wichtigen Trend: Fabrikautomation entwickelt sich immer stärker zu einer ganzheitlichen Disziplin. Daten müssen verfügbar, Prozesse transparent, Anlagen energieeffizient und Systeme sicher sein. Ob KI-gestützte Instandhaltung, Edge Computing, energieoptimierte Antriebe oder Cybersecurity nach CRA – die vorgestellten Lösungen zeigten, dass die Zukunft der Fabrik vor allem dort entsteht, wo Informationen in konkrete Entscheidungen und messbaren Nutzen umgesetzt werden. Für die Teilnehmer bot Heilbronn damit einen ebenso praxisnahen wie zukunftsorientierten Blick auf die nächste Generation industrieller Automation.

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