15.01.2026 • News

Vier Trends zur physischen KI im Jahr 2026

Die Robotikbranche entwickelt sich schneller denn je. Wohin die Reise geht, ist bereits gut erkennbar. Aus meiner Perspektive zeichnen sich vier zentrale Trends ab, die ab 2026 grundlegend verändern werden, wie Roboter Wert schaffen: prädiktive mathematische Verfahren, kooperative Roboterteams, aufgabenspezifische KI-Lösungen und eine neue, datengetriebene Wertschöpfung. 

Anders Billesø Beck, Vice President AI Robotics Products

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Es zeichnen sich vier zentrale Trends ab, die ab 2026 grundlegend verändern werden, wie Roboter Wert schaffen: prädiktive mathematische Verfahren, kooperative Roboterteams, aufgabenspezifische KI-Lösungen und eine neue, datengetriebene Wertschöpfung.


1. Prädiktive Mathematik – eine stille Revolution

Der nächste große Fortschritt in der Robotik wird nicht aus der Hardware kommen, sondern aus der Mathematik. Heute reagieren Roboter auf Eingaben und passen sich in Echtzeit an. Morgen werden sie vorausdenken. 

Neue mathematische Methoden wie Dualzahlen und sogenannte Jets – Modelle zur gleichzeitigen Beschreibung von Bewegungen und deren Ableitungen – verändern derzeit leise, aber grundlegend unser Verständnis davon, wie Veränderung mathematisch erfasst wird. Sie ermöglichen es Systemen, nicht nur zu berechnen, was bei einer Roboterbewegung geschieht, sondern auch, wie sich diese Bewegung auf Dynamik, Kräfte und Folgezustände im Gesamtsystem auswirkt. Das führt zu schnellerer Optimierung, umfangreicherer Szenarienplanung und zu einer adaptiven Steuerung, die nahezu intuitiv wirkt.

Denkbar sind Roboter, die die Auswirkungen einer Bahnkorrektur berechnen, bevor sie diese ausführen – oder innerhalb von Millisekunden mehrere „Was-wäre-wenn“-Szenarien simulieren. Das ist keine Science-Fiction, sondern eine konsequente Weiterentwicklung moderner Ableitungs- und Prognoseverfahren.

Prädiktive Intelligenz wird aus meiner Sicht die nächste Generation der Automatisierung definieren. Die Frage ist nicht, ob dieser Wandel kommt – sondern wann und wer ihn anführt.


2. Vom Standalone zur Linie: „Vernetzte Cobots"

Imitationslernen – also das Lernen durch Beobachtung menschlicher oder robotischer Vorbilder – wird zu einer Schlüsselkompetenz der nächsten Automatisierungswelle. Heute arbeiten die meisten Roboter als Einzelinstanzen, gesteuert durch zentrale Flottensysteme oder starre Programme. Künftig werden sie voneinander und vom Menschen lernen, teils geführt, teils autonom, und sich zu adaptiven Teams zusammenschließen, die Erfahrungen, Bewegungsmuster und Strategien in Echtzeit teilen.

Diese Entwicklung baut auf Forschungsansätzen auf, bei denen Roboter nicht nur einer vorgegebenen Trajektorie folgen, sondern Aktionen beobachten, imitieren und gemeinsam verfeinern. So entsteht dynamische Koordination ohne starre Skripte. Zwar haben industrielle Robotikanbieter mit Flottenmanagement und synchronisierten Mehrarm-Systemen bereits wichtige Grundlagen geschaffen, doch echtes Peer-to-Peer-Lernen und Selbstorganisation stehen noch am Anfang. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir 2026 erste reale Anwendungen sehen werden, die auf imitationsgelernten Modellen physischer KI basieren, bei denen Wahrnehmung, Bewegung und Entscheidungsfindung eng miteinander verzahnt sind.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Schnellere Konfiguration und Rekonfiguration von Prozessen durch Lernen aus Demonstrationen statt klassischer Programmierung
  • Höhere Robustheit bei unerwarteten Veränderungen, etwa bei variierenden Bauteilen, Toleranzen oder Prozessabläufen
  • Natürlichere Mensch-Roboter-Zusammenarbeit, bei der Roboter menschliche Absichten oder den Takt eines führenden Roboters interpretieren und adaptiv folgen.

Mit der Weiterentwicklung von Sicherheitsstandards, Inter-Roboter-Kommunikation und Orchestrierungstools wird diese Form der Zusammenarbeit industriell skalierbar. Damit entwickeln sich Roboter von isolierten Einheiten zu kooperativen, kontinuierlich lernenden Teams.


3. Zweckgebundene KI statt Allzwecklösungen

Anstelle generischer KI-Plattformen werden Hersteller zunehmend auf aufgabenspezifische KI-Anwendungen setzen – also Lösungen, die gezielt für einzelne Prozesse wie Schweißen, Schleifen, Inspektion oder Montage entwickelt wurden. KI-Schweißen, KI-Finishing, KI-Montage und KI-Inspektion werden zu Standardbestandteilen neuer Roboterzellen. Damit hält Automatisierung Einzug in Prozesse, die bislang als zu variabel oder zu komplex galten.

Diese vertikalen Anwendungen sind vortrainiert, vorintegriert und von Beginn an produktiv einsetzbar. Ein Vorzeigebeispiel ist das Schweißen, wo KI-gestützte Nahtverfolgung mittels Bildverarbeitung und maschinellem Lernen zur automatischen Parameteroptimierung bereits heute Qualität, Stabilität und Reproduzierbarkeit verbessert.

Die nächste Grenze liegt bei komplexen, feinmotorischen Aufgaben wie Montage, Verschraubung und anspruchsvollem Handling – Bereiche, die traditionell schwer zu automatisieren waren. In industriellen Anwendungen wird KI es Robotern ermöglichen, besser mit Bauteil- und Prozessvariabilität umzugehen. In Dienstleistungsbranchen kommen ähnliche Ansätze zunehmend bei Verpackung, Sortierung oder beim sensiblen Materialhandling zum Einsatz.

 Auch in der Logistik sind in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte zu beobachten: KI-gestützte Robotersysteme übernehmen Pick-, Stau- und Touch-Prozesse inzwischen effizient und skalierbar. Für 2026 ist zu erwarten, dass sich Investitionen zunehmend vom Logistiksektor in Richtung Einzelhandel verlagern – ein nächster Schritt, um robotische Automatisierung näher an den Alltag heranzuführen.


4. Zweckgebundene KI statt Allzwecklösungen

Der nächste große Wandel betrifft nicht nur Bewegung oder Intelligenz von Robotern, sondern die Art und Weise, wie ihre Daten wirtschaftlichen und technologischen Wert schaffen. Heute verbleiben die meisten der umfangreichen Daten – Sensordaten, Bildinformationen oder Kraftprofile – direkt vor Ort beim Kunden. Das ist ideal für Datenschutz und Reaktionsgeschwindigkeit, schränkt jedoch den Zugang zu realen Trainingsdaten für KI-Entwickler deutlich ein.

Künftig werden Roboterhersteller zunehmend zu Betreibern sicherer, freiwilliger Datenaustauschplattformen auf Hersteller- oder Ökosystemebene. Mit Zustimmung der Kunden und unter strengen Datenschutzauflagen könnten anonymisierte Leistungsdaten aggregiert und als Trainingsdatensätze oder modellbasierte Dienste bereitgestellt werden. Denkbar sind etwa Schweißroboter, die anonymisierte Qualitätsdaten von Nähten teilen, oder Schleifroboter, die Oberflächenparameter beisteuern – als Grundlage für intelligentere KI zur automatisierten Fehlererkennung, vorausschauenden Wartung und adaptiven Prozessregelung.

Die eigentliche Chance liegt darin, rohe Telemetriedaten in strukturierte, datenschutzkonforme Erkenntnisse zu überführen, die Innovation im gesamten Ökosystem beschleunigen. Für Hersteller entstehen neue Erlösquellen sowie eine kontinuierliche Verbesserung der eigenen Systeme. Für Anwender bedeutet dies leistungsfähigere KI-Werkzeuge, trainiert unter realen Einsatzbedingungen – ohne Preisgabe sensibler Informationen.

Das Ergebnis ist ein selbstverstärkender Innovationskreislauf: Jeder eingesetzte Roboter trägt dazu bei, die nächste Generation intelligenter zu machen.


5. Höherer Mission-ROI: Die Rendite prädiktiver Robotik im industriellen Einsatz

Die Zukunft der Robotik wird durch das Zusammenspiel fortschrittlicher Methoden, intelligenter Anwendungen und datengetriebener Strategien geprägt. Moderne mathematische Verfahren verleihen Robotern die Fähigkeit, vorauszudenken und sich dynamisch anzupassen. Leader-Follower-Konzepte verwandeln bislang isolierte Maschinen in kooperative Teams, die Arbeitsabläufe flexibel neu konfigurieren. Vertikale KI-Anwendungen liefern sofort einsetzbare Intelligenz für spezifische Aufgaben und reduzieren Nacharbeit bei gleichzeitig höherer Qualität. Ergänzt wird dies durch eine neue Datenökonomie, in der anonymisierte Felddaten kontinuierlich bessere KI-Modelle ermöglichen.

Zusammen führen diese Entwicklungen zu einem deutlichen Sprung im Mission-ROI – also im wirtschaftlichen Nutzen pro Roboteranwendung: höhere Produktivität pro Roboterstunde, schnellere Inbetriebnahme und Umrüstung, geringere Stillstandszeiten sowie eine kontinuierliche Verbesserung auf Basis realer Einsatzdaten.

Anbieter

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