30.04.2026 • Fachbeiträge

Interview mit Michael Steinicke, Produktmanager Baumer Vision Competence Center

Kamerahersteller Baumer bietet für manche Kameramodelle der LX-Serie jetzt auch einen RF-Mount als Alternative zum gängigen C-Mount. Neben der größeren Objektivauswahl können industrielle Anwendungen auch von Funktionen profitieren, die zuvor Fotografen vorbehalten waren, beispielsweise eine vollständige Objektivsteuerung direkt über die Kamera.

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ichael Steinicke, Produktmanager Baumer Vision Competence Center.
© Baumer

inspect: Welche Vorteile bietet der in der Fotografie gängige RF-Mount gegenüber dem weitverbreiteten C-Mount in der industriellen Bildverarbeitung?

Michael Steinicke: Ganz pauschal ist das gar nicht zu beantworten, da wir hier auch über sehr unterschiedliche Bajonett- beziehungsweise Gewindedurchmesser reden. Wir sehen aktuell den – im wahrsten Sinne des Wortes großen – Vorteil, mit den Canon-RF-Objektiven aus dem Fotobereich eine interessante Objektivalternative für größere Sensoren, bis zu Vollformat, zur Verfügung zu haben. 

Der RF-Objektiv-Mount bietet dabei für industrielle Anwendungen zahlreiche Vorteile. Neben der kompakten Bauweise sowie der Nutzung neuer Canon-Objektive und höherer Lichtstärke, sorgt auch die Objektiv­steuerung über Focus-by-wire für Schnelligkeit und Präzision.

Als Markenprodukte mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis sind diese Objektive zudem weltweit in breiter Auswahl verfügbar. Baumer folgt Canons Weiterentwicklung zum RF-Objektivmount für spiegellose Digitalkameras, um auch den neuen Canon-Standard für Industrieanwender zugänglich zu machen.

Unter Lizenz von Canon entstanden daher Kameramodelle der High-Performance-LX-Serie, die den aktuellen RF-Mount vollständig mechanisch und elektrisch in die Kamera integrieren.

Durch die vollständige Integration in Hard- und Software entfallen externe Schnittstellen, Kabel und Stromversorgung. Die Steuerung des Objektivs erfolgt direkt über die Kamera. Blende und Fokus lassen sich so komfortabel per Kamera-API fernsteuern.

inspect: Für welche Kameramodelle ist ein RF-Mount verfügbar?

Steinicke: Der RF-Mount ist in High-Performance-Kameras der LX-Serie mit bis zu 65 MP Auflösung bei einer Bildrate von 18 fps integriert. In Kombination mit der 10-GigE-Schnittstelle sind auch hochaufgelöste Bilder bei schnellen Prozessen möglich. Die von spiegellosen Kameras getriebene kompakte Bauweise macht die RF-Kamera gegenüber ihrem Vorgänger um fast 20 Prozent kürzer. Selbstverständlich wird es die Kamera in Monochrom und Farbe geben.

inspect: Wann kommen die Kameras der LXT-Serie mit RF-Mount offiziell auf den Markt?

Steinicke: Erste Muster sind bereits bei Kunden in der Evaluierung. Der Serienstart erfolgt im April 2026.

inspect: Außerdem unterstützen die Kameras das Open Optics Camera Interface (OCCI). Können Sie die wesentlichen Merkmale bitte kurz erläutern?

Steinicke: Standardisierte Funktionen nach Open Optics Camera Interface Standard (OOCI) ermöglichen eine einfache Konfiguration und die nahtlose Einbindung in GenICam-Software. OOCI ist eine Erweiterung des GenICam-Standards für Kommandos zur generischen Ansteuerung von Objektiven direkt durch die Kamera, zum Beispiel zum Fokussieren. Der Vorteil liegt in der weiterhin einheitlichen, standardisierten Schnittstelle der Kamera, die mit der Erweiterung nun sogar das Objektiv direkt steuern kann. 

inspect: Welche besonderen Funktionen haben die Objektive?

Steinicke: Durch die vollständige Integration des RF-Interfaces lassen sich Blende und Fokus komfortabel per Kamera-API fernsteuern.

inspect: Für welche Anwendungen sind die Kameras insbesondere geeignet?

Steinicke: Die Lösung eignet sich für eine Vielzahl von Anwendungsfeldern, insbesondere dort, wo sich Arbeitsabstände losweise oder prozessbedingt ändern. Ein typisches Beispiel ist die Verpackungsaggregation in der Pharmaindustrie. Hier werden einzelne Produkte wie Blister oder Faltschachteln zu übergeordneten Verpackungseinheiten zusammengeführt und eindeutig zugeordnet. Hierfür ist es vorteilhaft, wenn alle Produktinformationen, wie Datamatrixcodes, Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) etc., einer Lage in einem Bild präzise erfasst werden können. Das spart Zeit und Kosten in der Prozessautomatisierung. 

Die Verstellung per Kommando erleichtert zudem die Protokollierbarkeit aller Änderungen und damit die regelkonforme Dokumentation gemäß gesetzlichen Vorgaben.

Auch in der Automobilproduktion, in der Bauteile an Fahrzeugkarosserien mit variierenden Höhen und Positionen inspiziert werden müssen, bietet die Lösung klare Vorteile. Die Software-basierte Fernsteuerung von Fokus und Blende ermöglicht eine schnelle Anpassung an wechselnde Arbeitsabstände – ohne mechanische Umrüstung oder Objektivwechsel.

Darüber hinaus eignet sich das System für Anwendungen im Sportbereich. Hochauflösende Kameras erfassen Bewegungsabläufe, Reaktionszeiten und Spielsituationen in Echtzeit. Die präzisen Bilddaten ermöglichen eine detaillierte Analyse von Laufwegen, Körperhaltungen und Aktionen einzelner Spieler – auch bei dynamischen Bewegungen und wechselnden Distanzen – und liefern stabile, reproduzierbare Ergebnisse über längere Zeiträume hinweg.

Anbieter

Baumer GmbH

Pfingstweide 28
61169 Friedberg
Deutschland

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