Zerstäubungsprozesse in Echtzeit überwachen
Qualitätskontrolle sollte (räumlich und zeitlich) so nah wie möglich am Objekt stattfinden. Bei Spray-Prozessen ist das aber sehr oft nicht der Fall. Ein laserbasiertes optisches Messverfahren ermöglicht nun aber den „Blick in den Spray“, das heißt die Echtzeitüberwachung von Zerstäubungsprozessen. Damit können Anwender Kosten sparen und zum Beispiel das Spritzlackieren hochwertiger Oberflächen optimieren und IoT-fähig machen.
Der Blick in den Prozess ist die Basis für die Überwachung und damit auch die Optimierung von Verfahrensschritten in der industriellen Produktion. Bei Zerstäubungsprozessen ist das allerdings nicht ganz so einfach. Bei ihnen sind viele sehr kleine Partikel mit hoher Geschwindigkeit auf mehr oder weniger kurzer Strecke unterwegs, teilweise unter Ex-Schutz-Bedingungen oder schwer zugänglich – insgesamt ein Prozess also, der sich schlecht erfassen lässt.





Bisher: Qualitätskontrolle nur im Nachhinein
Bei der Qualitätskontrolle solcher Prozesse blieb den Anwendern deshalb meistens nichts anderes übrig als die Qualität im Nachhinein zu kontrollieren: Entspricht die Dicke einer Spritzlackschicht den Vorgaben? Ist der Überzug von Tabletten in Drageeform gleichmäßig? Wenn sich herausstellte, dass dies nicht so war, hat der Betrieb jedoch bereits Ausschuss produziert. Und die Justierung der Prozessparameter war dann oft nur schrittweise im Näherungsverfahren möglich.
Alternative: Inline-Kontrolle des Prozesses
Deshalb ist eine Inline-Qualitätskontrolle eindeutig der bessere Weg für ein stabil hohes Qualitätsniveau. Realisiert wird diese Art der Inspektion mit dem Sprayspy-Verfahren von AOM-Systems. Das in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt entwickelte Messprinzip nutzt ein laser-optisches Verfahren und macht sich dabei zunutze, dass ein bewegter Tropfen oder Partikel, der von einem inhomogenen Lichtstrahl beleuchtet wird, eine Lichtstreuung erzeugt. In den Messgeräten befinden sich Photonenempfänger. Sie trennen die resultierende Lichtstreuung zeitlich in die individuellen Streuordnungen und geben damit ein genaues Echtzeit-Abbild des Sprühprozesses. Denn die Charakteristika der Streuordnungen korrelieren mit der Sprayqualität, die sich aus folgenden Kenngrößen herleitet: Volumenfluss, Sprühwinkel, kinetische Energie sowie Größe und Geschwindigkeit der Tropfen im Spray.
Für die Produktionsüberwachung und für Labor-Anwendungen
Die Sprayspy-Geräte, die für die Inline-Prozesskontrolle entwickelt wurden, gehören zur Processline-Serie von AOM-Systems. Weil die Geräte Unregelmäßigkeiten in Echtzeit detektieren, erkennen sie zum Beispiel Fehler im Sprühmedium, in den Hardware-Komponenten oder auch Verunreinigungen in der Anlage frühzeitig. Der Anlagenbetreiber kann dann sofort gegensteuern und entweder die Ursache beheben oder die Verfahrensparameter verändern. Ebenso ist es möglich, dass die Steuerung einen Alarm ausgibt, wenn eine Messgröße außerhalb der vorgegebenen Toleranzen liegt.
Praxiserfahrungen in der Spritzlackierung zeigen: Durch diese Integration der Messtechnik in den Prozess kann der Anwender bis zu 60 Prozent der häufigsten Lackierfehler in Echtzeit detektieren und sofort reagieren.
Für die Analyse von Zerstäubungsprozessen im Labor stehen die Geräte der Labline-Serie zur Verfügung. Sie messen ortsaufgelöst Einzeltropfenereignisse und stellen die Messergebnisse als Histogramm oder aber als digitales Spritzbild dar, das die Volumenverteilung der zerstäubten Partikel im Spraykegel aufzeigt.
Digitalisierung als Basis für die Prozessoptimierung
Durch das Messen und Erfassen der Sprayparameter wird das Spray digital erfasst. Das heißt: Es werden Daten generiert, die sich analysieren, weiterverarbeiten und zum Beispiel für Big-Data- oder künstliche-Intelligenz-Anwendungen nutzen lassen. Das ermöglicht es zum Beispiel, vordergründig nicht sichtbare Muster zu identifizieren und Wartungsintervalle anhand des realen Zustandes statt turnusmäßig durchzuführen (Predictive Maintenance). Das verringert Stillstandszeiten und erhöht die Produktivität bei gleichzeitig sinkenden Produktionskosten. Die Vorteile sind offensichtlich. Deshalb wird diese – in vielen Bereichen bereits zum Standard gehörende aber im Spray noch neue – Technologie zum Standard werden, auch in Zerstäubungsprozessen.
Breites Anwendungsspektrum
Führende Hersteller von Automobillacken, von Lackieranlagen und Hochrotations-Zerstäubern nutzen die Labline-Messgeräte, um ihre Produkte kontinuierlich zu optimieren und um Verfahrensparameter für die Anwendung der Produkte festzulegen. Damit ist die Oberflächen- beziehungsweise die Lackiertechnik ein zentrales Einsatzgebiet der Analysegeräte von AOM-Systems.
Aber auch Hersteller von – um nur Beispiele zu nennen – so unterschiedlichen Produkten wie Düngemitteln oder Nasensprays nutzen die Labline-Geräte, um ihre Produkte schon in der Entwicklungsphase zu optimieren beziehungsweise die Parameter für den Zerstäubungsprozess festzulegen. Ebenso aufschlussreich ist das Messverfahren für die Hersteller, Planer und Betreiber von Zerstäubungsanlagen und deren Komponenten sowie von Sprühtrocknungsanlagen.
Autor
Dr. Meiko Hecker, Geschäftsführer
Anbieter
AOM-Systems GmbHBenzstraße 4
64646 Heppenheim
Deutschland
Meist gelesen

Die Zukunft der Intralogistik
Die Intralogistik befindet sich im Wandel: Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften steigt, während gleichzeitig neue Konzepte und Technologien entstehen.

Sind KIs Jobkiller? Nö! Aber gehypte CEOs vielleicht schon
Die tatsächlichen Produktivitätsgewinne heutiger KIs sind begrenzt. Die eigentliche Gefahr liegt weniger in der Technik als in gehypten Managern. Ein Kommentar.

Humanoide Roboter erreichen den Mittelstand
Sinkende Kosten, schnelle Einsatzbereitschaft und steigende Flexibilität eröffnen neue Anwendungen jenseits klassischer Insellösungen.

Es muss nicht immer ein humanoider Roboter sein
Mythomorphes Design eröffnet der sozialen Robotik eine eigene Perspektive. Als Vorbilder dienen Mythen und Fantasiewesen statt Mensch oder Tier. Der Beitrag ordnet Beispiele ein und diskutiert Chancen sowie Risiken.

Warum Logistik über die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet
Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz müssen gleichzeitig gelingen – in einer Zeit, in der Kosten steigen und Ressourcen knapp sind. Logistik entscheidet damit über Tempo, Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit.







