09.10.2026 • Fachbeiträge

Marktentwicklung, Technologietrends und neue Anwendungen auf der Vision 2026

Leiter Messen & Events bei der Messe Stuttgart und Projektverantwortlicher der Vision, erläutert, welche Rolle KI, synthetische Daten, Edge Computing und neue Sensortechnologien spielen

David Löh

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© Landesmesse Stuttgart

Die Bildverarbeitungsbranche wächst technologisch und erschließt neue Anwendungsfelder. Florian Niethammer, Leiter Messen & Events bei der Messe Stuttgart und Projektverantwortlicher der Vision, erläutert, welche Rolle KI, synthetische Daten, Edge Computing und neue Sensortechnologien spielen und wie die Leitmesse aktuelle Marktbewegungen, Forschung und industrielle Praxis zusammenführt.

inspect: Was hat sich seit der letzten Vision im Jahr 2024 in der Bildverarbeitungsbranche getan? Wie wirkt sich das auf die diesjährige Vision aus?

Florian Niethammer: Wir haben in den vergangenen Jahren zwei Entwicklungen gesehen: Zum einen schreitet die Konsolidierung im Markt weiter voran. Durch Übernahmen, Beteiligungen und strategische Zusammenschlüsse entstehen größere Unternehmensgruppen, die ihre Kompetenzen im Bereich Bildverarbeitung bündeln. Zum anderen erleben wir eine bemerkenswert hohe Innovationsdynamik durch junge Unternehmen und Start-ups.

Die Bildverarbeitungsbranche befindet sich aus meiner Sicht in einer Phase der Reife und gleichzeitig des Aufbruchs. Große Anbieter bauen ihre Portfolios entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus, während neue Marktteilnehmer mit spezialisierten Technologien frische Impulse setzen.

Und diese Entwicklung wird auch auf der Vision 2026 sichtbar. Besucher treffen sowohl auf etablierte Global Player mit umfassenden Lösungsangeboten als auch auf innovative Start-ups, die neue Ansätze für industrielle und nichtindustrielle Anwendungen vorstellen. Die Messe bildet damit die gesamte Dynamik des Marktes ab.

Wie entwickeln sich Aussteller- und Flächenzahlen im Vergleich zu 2024?

Wir sehen eine sehr positive Entwicklung und eine anhaltend hohe Nachfrage aus dem Markt. Aktuell zählen wir bereits rund 500 ausstellende Unternehmen und mehr als 95 % der Fläche sind fest gebucht. Damit konnten wir die bisherige Bestmarke aus 2024 nochmal toppen und dürfen einen neuen Ausstellerrekord verkünden.

Welche Produktbereiche deckt die Vision ab?

Die Vision ist traditionell als Komponentenmesse bekannt und international geschätzt. Auf der Messe werden die neuesten Technologien und Entwicklungen im Bereich Kameras, Optiken, Beleuchtung, IPCs, Software und Sensoren präsentiert. Gleichzeitig werden aber auch anwendungsorientierte Lösungen und schlüsselfertige Systeme präsentiert.

In den vergangenen Jahren beobachten wir eine interessante Entwicklung: Viele Unternehmen positionieren sich zunehmend entlang konkreter Anwendungsfälle und Branchen. Auch klassische Komponentenhersteller sprechen ihre Kunden heute deutlich lösungsorientierter an und adressieren gezielt Vertikalmärkte wie Logistik, Halbleiter, Medizintechnik, Robotik oder die Batterieproduktion.

Entsprechend werden auf der Vision immer häufiger Lösungsansätze gezeigt, die Hardware, Software, KI und Integration miteinander verbinden. Es geht also oft nicht mehr nur um die einzelne Kamera oder das einzelne Software-Tool, sondern um eine Antwort auf eine konkrete Aufgabenstellung.

Für welche Anwenderbranchen jenseits der klassischen Industrieautomation lohnt sich ein Besuch 2026 besonders?

Der oben geschilderten Entwicklung tragen wir zum Beispiel mit unseren Guided Tours Rechnung. Sie führen Besucher gezielt zu Ausstellern und Lösungen rund um bestimmte Anwendungsfelder und Technologietrends. Dadurch erhalten insbesondere Anwender mit geringen Vorkenntnissen in Bildverarbeitungstechnologie einen schnellen und strukturierten Überblick über relevante Anbieter, Technologien und konkrete Lösungsansätze für ihre Branche. In diesem Jahr organisieren wir geführte Touren für die Bereiche Aerospace & Defence, Automotive & Battery und Electronics & Semiconductors. Außerdem bieten wir erstmals spezielle Touren zum Zusammenspiel von AI und Bildverarbeitung an.

Bildverarbeitung ist längst weit über die klassische Fabrikautomation hinausgewachsen und hat eine Vielzahl an Anwendungsfeldern außerhalb der Fabriken erobert, sei es in Medizintechnik, Life Science und Pharma, der Intralogistik, bei intelligenten Verkehrssystemen, in der Landwirtschaft oder bei Recycling und Kreislaufwirtschaft. 

Gibt es 2026 Ausstellergruppen, Herkunftsländer oder Marktsegmente, die erstmals oder verstärkt vertreten sind?

Wenn wir auf aktuelle Technologietrends blicken und uns etwa die Shortlist des diesjährigen Vision Award anschauen, sehen wir dort großartige neue Themen wie SPAD-Sensoren, Simulation von Bildverarbeitungssystemen und die Generierung synthetischer Daten für KI-Trainings, aktuelle Lidar-Entwicklungen oder neueste Ansätze in der 3D-Lightfield-Technologie. All diese aktuellen Themen und Aussteller wird es auf der Vision zu entdecken geben.

Wir sehen außerdem weiterhin eine wachsende Anzahl an Ausstellern aus dem Bereich Hyperspectral Imaging und verzeichnen ein Wachstum rund um die Themen Industrie-PCs, Embedded Computing und Edge-AI-Systeme.

Regional betrachtet, sehen wir wie in den vergangenen Jahren viele neue Unternehmen aus Asien, speziell aus China, die sich mit immer hochwertigeren Produkten präsentieren. Wir freuen uns erstmalig im Jahr 2026 mit der Taiwan Electrical and Electronic Manufacturers’ Association einen Gemeinschaftsstand aus Taiwan präsentieren zu dürfen. Daneben wird es Länder-Pavillons aus China, Japan, Frankreich und der Schweiz geben – mit einer Vielzahl an Firmen, die sich erstmalig auf der Messe präsentieren.  

Neben vielen langjährigen Ausstellern verzeichnen wir erneut zahlreiche Neuanmeldungen. So wird ein Rekordanteil von rund 30 Prozent der Aussteller erstmalig auf der Vision dabei sein. Das unterstreicht den Innovationscharakter der Branche und bestätigt die Rolle der Vision als weltweit einmalige Plattform für Bildverarbeitung und zentralen Treffpunkt der Branche.

Die hohe Internationalität bleibt dabei ein weiteres wesentliches Merkmal. Wir erwarten Aussteller aus 34 Ländern und – noch beeindruckender – zwei Drittel aller Aussteller kommen aus der ganzen Welt im Oktober zu uns nach Stuttgart, um ihre Innovationen dem internationalen Fachpublikum zu präsentieren. Damit ist die Vision eine der internationalsten Veranstaltungen im Portfolio der Messe Stuttgart.

Welche Programmpunkte erwarten die Besucher? Was gibt es Neues?

Die Ausstellung bleibt selbstverständlich das Herzstück. Darüber hinaus lebt die Vision von ihrem hochklassigen Rahmenprogramm. Mit den Industrial Vision Days veranstalten wir gemeinsam mit dem VDMA Machine Vision das wahrscheinlich weltweit größte und umfassendste Vortragsforum für Bildverarbeitung, mit über 80 Präsentationen an drei Tagen. Dort werden von unseren Ausstellern neueste Produktinnovationen vorgestellt und strategische Fragestellungen der Branche in mehreren Panel-Runden diskutiert. Jeden Tag finden auf der Bühne knackige Start-Up Pitches statt, es wird das Start-Up des Tages und final das Vision Start-Up 2026 gekürt. Auf der Mainstage findet ebenfalls die Vision Award Session mit der Vorstellung aller Shortlist-Einreichungen und die Siegerehrung des Gewinners statt.

Auf den Scientific Vision Days bieten wir in Kooperation mit dem AIT, dem Austrian Institute of Technology, Experten aus Wissenschaft und angewandter Forschung eine Bühne, um deren wissenschaftliche Exzellenz im Bereich Bildverarbeitung zu präsentieren und den Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie anzuregen.

In unserer Vision Start-up World und am BMWE-Gemeinschaftsstand Young Innovators wird es die besten jungen Innovatoren zu entdecken geben, während sich im Rahmen der Vision Integration Area Anbieter von schlüsselfertigen Systemlösungen präsentieren. Zudem gibt der Themenpark IPC 4 Vision einen kompakten Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich Industrie-PCs.

Darüber hinaus wird es einiges an Neuheiten geben: Mit dem Vision Makeathon schaffen wir in diesem Jahr erstmals eine Plattform auf der VISION, auf der Studierende, Nachwuchstalente und Unternehmen gemeinsam an praxisnahen Aufgabenstellungen der industriellen Bildverarbeitung arbeiten.

Und noch ein weiteres Highlight feiert in diesem Jahr Premiere: das Synthetic Data Symposium, welches wir erstmalig gemeinsam mit dem Fraunhofer ITWM veranstalten. Gemeinsam mit führenden Experten aus Forschung und Industrie beleuchten wir, wie synthetische Daten die Entwicklung KI-basierter Bildverarbeitungssysteme beschleunigen können.

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70629 Stuttgart
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