VDI-Studie untersucht Hürden für Frauen in MINT-Berufen
68 Prozent der befragten Frauen erleben Geschlechterstereotype im Beruf als Herausforderung. Grundlage der Studie sind unter anderem eine Befragung mit 1.274 Teilnehmenden und vier Workshops

Geschlechterstereotype, fehlende Betreuungsmöglichkeiten und die Bedingungen für Teilzeitbeschäftigte können die berufliche Entwicklung von Frauen in MINT-Berufen erschweren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des VDI, die im Rahmen der Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ erstellt wurde.
Für die Untersuchung führte der VDI vier Workshops mit insgesamt 21 Frauen aus unterschiedlichen Karrierephasen in MINT-Berufen durch. Hinzu kamen eine Online-Befragung mit 1.274 Teilnehmenden Anfang 2026 und ein Expert-Panel auf der Hannover Messe 2026. Die Ergebnisse wurden zudem mit wissenschaftlichen und statistischen Daten abgeglichen.
Unter den Befragten halten 96 Prozent die Überwindung von Geschlechterstereotypen für wichtig. 68 Prozent der befragten Frauen erleben solche Stereotype als konkrete Herausforderung in ihrem derzeitigen beruflichen Umfeld. Die Studie untersucht dabei auch sogenannte „Identitätskosten“, die entstehen können, wenn Frauen in einem männlich geprägten Arbeitsumfeld stärker aufgrund ihres Geschlechts als aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz wahrgenommen werden.
Ein weiteres Thema sind die Karrierebedingungen. 84 Prozent der Befragten sehen die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen als relevante Herausforderung. 61 Prozent befürworten Modelle geteilter Führung, sogenanntes Topsharing. Von den befragten Frauen ohne Führungsverantwortung würden 48 Prozent eine Führungsposition anstreben, wenn diese in Teilzeit möglich wäre.
Als einen Einflussfaktor nennt die Studie die ungleiche Verteilung von Betreuungs- und Pflegeaufgaben. Nach den vom VDI zitierten Destatis-Zahlen arbeiten 68 Prozent der erwerbstätigen Mütter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit. Bei Vätern sind es acht Prozent. Zudem konnten 2025 nach Angaben in der Studie bundesweit rund 300.000 Betreuungswünsche für Kinder unter drei Jahren nicht erfüllt werden.
Der VDI betrachtet eine höhere Beteiligung von Frauen an MINT-Berufen auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels. Der Verband verweist auf knapp 370.000 unbesetzte MINT-Stellen. Eine bereits im Frühjahr veröffentlichte VDI/IW-Untersuchung kommt in einem Szenario außerdem zu dem Ergebnis, dass ein steigender Frauenanteil in MINT-Berufen bis 2035 zusätzliche Wertschöpfung in Milliardenhöhe ermöglichen könnte.
Als Ansatzpunkte nennt die neue Studie Veränderungen auf fünf Ebenen. Dazu zählen vielfältigere Rollenbilder, Genderkompetenz in der Bildung, transparentere Personalentscheidungen, Mentoring und Vorbilder sowie Veränderungen männlich geprägter Fachkulturen. Der VDI fordert außerdem flexiblere Arbeitsmodelle, um Teilzeitbeschäftigung weniger stark mit Nachteilen bei der beruflichen Entwicklung zu verbinden.











